Qualitätsvereinbarungen beim Drucken und Lesen von Barcodes
Geschichte
Anfang der siebziger Jahre hatte der Barcode
eine sprunghafte Entwicklung zu verzeichnen. Mit
dem häufigeren Einsatz der Barcodes traten auch
die Probleme auf, daß Barcodes nicht gelesen
werden konnten. Diese Probleme traten verstärkt
in offenen Systemen auf, wo der Hersteller des
Barcodes die Lesetechnik nicht mehr im Griff
hatte. Das führte zu dem Bewußtsein, daß auch in
diesem Bereich eine Qualitätssicherung mit
Qualitätsvereinbarungen unumgänglich ist.
Der erste Schritt
Zunächst wurden Qualitätsvereinbarungen aufgrund
der Symbologiespezifikationen definiert. Dies
sind metrische Definitionen,
Kontrastdefinitionen und allgemeine Definitionen
(Ratio, Prüfziffern, Größenbeschränkungen ...).
Die metrischen Definitionen legen zulässige
Toleranzen für Balken und Lücken und/oder
Kombinationen von Balken und Lücken fest. In
welcher Art diese metrischen Meßwerte definiert
werden, ist von der Barcodesymbologie abhängig.
Als Kontrastanforderung wurde der sogenannte PCS
(Print Contrast Signal) Wert definiert. Auf der
Basis von Reflexionswerten wurde der PCS nach
der Gleichung:
Rs-Rb
PCS = ------------ Rs - Lückenreflexion, Rb -
Balkenreflexion
Rs
definiert. Auf dieser Basis waren einige
wichtige Qualitätsmerkmale definiert.
Testspezifikationen für Barcodes
Mit diesen Qualitätsmerkmalen trat immer noch
das Problem auf, daß die Codes nach diesen
Kriterien innerhalb der Toleranz waren, aber
dennoch Leseprobleme verursachten. Der Grund
dafür ist, daß einige wesentliche Kriterien mit
diesen Merkmalen nicht erfaßt werden. Dies gab
den Anlaß, Testspezifikationen zu entwickeln.
Mittlerweile gibt es mehrere Testspezifikationen,
die inhaltlich vergleichbar sind. Diese Normen
betrachten den Barcode im wesentlichen unter
Leseaspekten.
1. ISO/IEC 15416 Automatic identification and
data capture techniques - Bar code print quality
test specification - Linear symbols
2. EN 1635 Strichcodierung Testspezifikationen
für Strichcodesymbole
3. ANSI X3.182-1990 (R1995) : Guideline for Bar
Code Print Quality
4. ANSI/UCC5-1995 Quality Specification for the
U.P.C. printed symbol
Die Norm 1 ist eine internationale Norm und wird
bzw. hat die Normen 2 bis 4 ersetzt.
Die Norm 2 ist eine europäische Norm
Die Norm 3 ist eine amerikanische Norm ohne EAN/UPC
Codes einzubeziehen
Die Norm 4 ist eine amerikanische Norm
ausschließlich für U.P.C Codes
Diese Normen lassen alle metrischen
Spezifikationen und Größendefinitionen außen vor.
Die PCS-Definition wird durch aussagefähigere
Definitionen ersetzt bzw. erweitert.
Parameter der Testspezifikationen
Folgende Parameter werden durch diese Normen
definiert:
Dekodierung
Die Dekodierung prüft die allgemeinen Kriterien
wie z.B. Hellfeldfehler, Prüfziffernfehler und
Fehler in der Elementbestimmung (Balken/Lücken).
Größenvorgaben wie Ratio, Mindestbalkenbreiten,
Vergrößerungsfaktoren werden weder mit diesem
Parameter, noch anderweitig berücksichtigt.
Symbolkontrast (SC)
Der Symbolkontrast ist ein Maß für den maximalen
Kontrastunterschied in einem Barcodesymbol. An
beliebigen Stellen, einschließlich der
Hellfelder wird die maximale und die minimale
Reflexion bestimmt. Die Differenz ergibt den
Symbolkontrast.
Kantenkontrast (Adjazenzkontrast) (ECmin)
Der Kantenkontrast ist ein Maß für den minimalen
Kontrastunterschied in einem Barcodesymbol.
Gemessen wird an benachbarten Elementen (Adjazenten);
sprich einem Balken mit vorhergehender oder
folgender Lücke, die den kleinsten Kontrasthub
haben.
Modulation (MOD)
Die Modulation wird aus dem Kantenkontrast und
dem Symbolkontrast berechnet.
MOD = ECmin/SC
Die Modulation ist ein Maß für die
Gleichmäßigkeit eines Barcodesymbols. Um so
näher der Kantenkontrast und der Symbolkontrast
sich angleichen, um so besser ist die Modulation
und damit um so gleichmäßiger das Symbol unter
Refexionsgesichtspunkten.
Rmin
Rmin ist der minimale Reflexionswert, der auch
zur Bestimmung des Symbolkontrastes verwendet
wird. Als Parameter wird eine Anforderung
definiert, die besagt, daß Rmin kleiner oder
gleich der Hälfte von Rmax sein muß. Damit wird
ein maximal erlaubter Balkenreflexionswert im
Verhältnis zu Rmax definiert.
Defekte
Defekte sind weiße Flecken in Balken oder
schwarze Flecken in den Lücken und Hellfeldern.
Defekte sollten so niedrig wie möglich gehalten
werden.
Dekodierbarkeit
Die Dekodierbarkeit ist ein Maß für zum lesen
relevante Druckungenauigkeiten, die auf der
Basis des Referenz-Dekodier-Algorithmus
berechnet wird. Die Grundlage dafür sind
metrische Abweichungen. Eine Verwendung dieses
Meßwertes zur Prozesskontrolle beim Druckvorgang
ist nicht möglich.
Qualitätsvereinbarungen in der Praxis
Eine Qualitätsvereinbarung, die nur die
Testspezifikation oder nur die
Symbologiespezifikationen zugrunde legt ist
nicht vollständig, da beide nicht alle
qualitätsrelevanten Parameter erfassen. Die
Testspezifikation läßt die Druckprozeßkontrolle
unberücksichtigt und die
Symbologiespezifikationen lassen u.a. die
wichtigen Parameter "Defekte" und "Modulation"
aus. Eine Qualitätsvereinbarung, die Drucken und
Lesen abdeckt, benötigt daher beide Normen als
Grundlage. Es muß beachtet werden, daß
insbesondere die Definitionen der
Symbologiespezifikationen, abhängig von der
Symbologie, verschieden sind. Bei den
Testspezifikationen ist nur der Parameter "Dekodierbarkeit"
von der Symbologie abhängig.
Damit ist für die Praxis bereits vorgegeben,
welche Qualitätsvereinbarungen definiert werden
sollten. Vorab sind die allgemeinen Definitionen
wie Codeinhalte, Codegröße und Farben
festzulegen. Die Qualitätsvereinbarungen sollten
festlegen, daß die Symbologiespezikationen
einzuhalten sind. Die Symbologiespezifikation
ist bei EAN/UPC Codes die Norm EN 797, bei Code
128 die Norm EN 799 und bei Code 39 die Norm EN
800. Als weitere Qualitätsvereinbarung sollte
ein Qualitätsgrad nach den Testspezifikationen
definiert werden. Die Testspezifikationen
definieren 4 Grade.
|
EN/ISO
|
ANSI
|
Bedeutung
|
|
4
|
A
|
Sehr Gut |
|
3 |
B |
Gut |
|
2 |
C |
Befriedigennd |
|
1 |
D |
Ausreichend |
|
0 |
F |
Durchgefallen |
Die Testspezifikationen nach EN 1635 sind für
alle drei oben genannten Symbologien gültig.
Wenn diese Qualitätsvereinbarungen getroffen
wurden und auch eingehalten werden, kann von
einer Codequalität ausgegangen werden, die von
den am Markt verfügbaren Geräten gelesen werden
kann. Insbesondere auch bei schnellen
automatischen Sortieranlagen ist damit eine hohe
Leserate gewährleistet.
Immer noch Probleme ?
Trotzdem wird es, bei aller Sorgfalt, immer
wieder Leseschwierigkeiten geben. Wenn so ein
Fall auftritt, sollte zunächst noch einmal
kontrolliert werden, ob die Qualität des
Barcodes den oben genannten
Qualitätsvereinbarungen entspricht. Wenn die
Barcodequalität den Anforderungen entspricht,
dann muß die Lesetechnik kontrolliert werden.
Vorausgesetzt, daß die Lesegeräte auch den
Normen entsprechen und damit theoretisch immer
in Lage sein sollten, gute Barcode nach obiger
Definition zu lesen, ist der Fehler in der
Applikation zu suchen. Es gibt u.a. folgende
Möglichkeiten:
-
Codegröße ist nicht auf den
Tiefenschärfebereich des Scanner abgestimmt.
-
Fördergeschwindigkeit für den
eingesetzten Scanner zu hoch.
-
Code ist nicht im Bereich des
Scannerstrahls (Positionierungsproblem)
usw.
Geräte zur Barcode-Qualitätskontrolle
Zur Kontrolle der Qualitätsvorgaben gibt es
spezielle Meßgeräte, sogenannte
Strichcodeprüfgeräte oder Bar Code Verifier.
Die Firma
REA Elektronik GmbH ist ein
Hersteller dieser Geräte und bietet 3
verschiedene Gerätetypen nach Leistung und
Genauigkeit abgestuft, an.
Für weitere Informationen nehmen Sie bitte hier
Kontakt mit uns auf.